Confederate Express, ein drei Jahre verschwundenes Taktik-RPG, ist wieder da

ce

Confederate Express ist wieder aufgetaucht. Wenn ihr jetzt schulterzuckend fragt „Confedewattnhierlos?“, können wir uns die Hand reichen. Das als Taktik-RPG ausgewiesene Projekt des Kleinstudios Kilobite tritt vor vier Jahren, im Oktober 2013, auf die Kickstarter-Türschwelle und verschwindet kein Jahr später unter dubiosen Umständen. Bis zur vergangenen Woche. Die Umstände bleiben dubios.

Ich sage extra „Projekt“. Ob es als Spiel in seiner ausgelobten Form überhaupt existiert, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Seht die Geschichte als Bekräftigung eurer ohnehin gesunden Haltung, besser nicht vorschnell mit Crowdfunding-Geld um euch zu werfen, egal, wie toll ein Konzept inhaltlich klingen mag.

Das tut es auf dem Papier nach wie vor. Confederate Express, wie es Kilobite bei Kickstarter vorstellt, dreht sich um etwas so Einfaches wie das Abliefern eines Pakets. Das ist eure Aufgabe. Wirklich simpel und in wenige Worte zu fassen, sieht man vom Gerüst aus Taktik- und RPG-Elementen drumherum ab. Jedes Mal beim Annehmen einer neuen Liefermission wird die Welt dafür zufällig generiert. „Die Karte besteht aus Sektoren und jeder davon ist ein spielbarer Level mit Gegnern, Loot und zufälligen Geschehnissen in der Welt“, heißt es.

Für schmale 10.000 Dollar reicht Kilobite den Hut herum – am Ende werden es fast 40.000. Die Summe schaltet sechs Stretch-Goals frei, darunter „anpassbare Fahrzeuge“, „Körperimplantate“ und „steuerbare Mech-Fahrzeuge“. Die Kampagne hat weitere Details über das im Jahr 2064 angesiedelte Spiel, über Zombies, Gesetzlose und Roboter als Gegner im Spielverlauf, über das Charaktersystem, die anpassbaren Waffen oder die Jagd nach Items. Oh, und es soll beim Verbocken einer Lieferung eine Form von Permadeath geben.

Über den Zeitraum von nicht mal einem Jahr liefern die Entwickler spärliche Updates. Darunter eines aus dem Dezember 2013, in dem sie sich begeistert zeigen, eine externe Finanzierung aufgetan zu haben (wodurch alle Stretch-Goals ermöglicht werden sollen, zum Beispiel ein Koop-Modus und Online-Boss-Raids für bis zu 25 Spieler). Der Haken: Vorher soll Kilobite dabei helfen, das eigene Spielprojekt der „kleinen Investorengruppe“ fertigzustellen. Der Titel: Knuckle Club.

Im Juli 2014 lässt Kilobite wissen, die Entwicklung von Confederate Express zugunsten dieses „Schwesterprojekts“ – ein 2D-Echtzeit-Brawler mit RPG-Elementen – „aufgeschoben“ zu haben. Confederate-Express-Unterstützer sollten ein „kostenloses Belohnungspaket für Knuckle Club“ erhalten, welche Relevanz das in Erwartung eines Zombie-Apokalypse-RPGs auch immer haben mag.

Kilobite bleibt guter Dinge: „Wir haben auch eine Reihe aufregender Technik-Updates für Confederate Express vorbereitet, die wir mit unseren Backern teilen wollen, also bleibt dran! Wir planen, mit den Updates zu beginnen, kurz nachdem die Kampagne für Knuckle Club beendet ist“.

Nichts davon geschieht, außer dass Kickstarter einen vorzeitigen Schlussstrich unter die Knuckle-Club-Kampagne zieht. Das vorerst letzte Lebenszeichen seines eigenen Projekts ist ein Update vom 20. Juli 2014, in dem Kilobite-Gründer Maksym Pashanin erklärt, der Geldgeber hätte ihn als Vollzeitmitarbeiter verpflichtet. Dessen höchste Priorität: Knuckle Club fertigstellen, und zwar als „erstes Spiel mit der Pixel-Art-Processing-Technik [von Confederate Express]“. „Daher kommt das Angebot für zusätzliche Finanzierung meines persönlichen Projekts [Confederate Express]“, schreibt Pashanin. „Ich wollte mit Confederate Express das bestmögliche Spiel entwickeln, und nachdem ich infolge des großartigen Kickstarter-Community-Feedbacks ‚high‘ wurde, habe ich einem unmöglichen Traum nachgejagt wie ein Narr.“

Interessant ist folgender Abschnitt: „Ich konzentriere mich jetzt in Vollzeit darauf, dass Confederate Express unverzüglich geliefert wird. Ich führe Buch über sämtliche Ausgaben und benachrichtige die Unterstützer, um meine Entscheidungen so klar und transparent wie möglich zu machen. Ich ziele jetzt auf einen Release im Dezember 2014 ab; eine Closed-Beta startet im November 2014.“

„P.S.: Das nächste Update für Confederate Express erscheint nächste Woche. Bitte bleibt dran!“

An dem Punkt wird es nebulös. Drei Jahre lang erscheint kein einziges Update. Währenddessen schafft es Maksym Pashanin aus der Fachpresse in die größeren Nachrichten, erst in den KESQ News Channel 3 und schließlich sogar auf CNN. Der Grund: Im Sommer 2014 weigert er sich, ein per Airbnb für 44 Tage angemietetes Haus im kalifornischen Palm Springs zu verlassen, nachdem er lediglich für einen 30-Tage-Aufenthalt bezahlt hatte. Nachbarn zufolge lebte Pashanin dort mit seinem Bruder und zeigte kaum Bemühungen, mit irgendwem in Kontakt zu treten.

Die Lage für die Eigentümerin Cory Tschogl ist heikel: Nach kalifornischem Recht gilt als normaler Vollzeitmieter, wer eine Immobilie für mehr als 30 Tage am Stück in Anspruch nimmt und die Mietkosten begleicht. Ein entsprechendes Räumungsverfahren, um den Hausbesetzer vor die Tür zu befördern, könnte bis zu sechs Monate und Tausende Dollar in Anspruch nehmen. Die Androhung vonseiten der Eigentümerin, den Strom abzuschalten, beantwortet Pashanin laut Dailymail mit einer anschuldigenden Textnachricht: „Hi Cory, hier ist Maksym. Ich habe meinen Anwalt konsultiert. Wie ich mehrfach sagte, belege ich das Haus LEGAL. Es liegt in der Natur der Sache, dass meine Heimarbeit von Elektrizität abhängt. Mein Einkommen beträgt durchschnittlich 1.000 bis 7.000 Dollar pro Tag und betrifft allein in den USA mehr als 2.000 Kunden. WENN DIE ELEKTRIZITÄT ABGESCHALTET WIRD, VERLIERE ICH JEDEN TAG GELD“.

Sein Bruder, so behauptet er, wurde krank, nachdem er ungefiltertes Leitungswasser im Haus getrunken hatte. Er fordert eine Entschädigung für die Arztrechnungen. Die Geschwister bleiben noch eine Weile im Haus. Am 21. August 2014 kann Cory Tschogl – nicht zuletzt dank des medialen und den Vorgang beschleunigenden Interesses – ihr Eigentum wieder in Empfang nehmen. Die Schnorrer sind raus, aber was ist mit Confederate Express?

In den Folgejahren gerät es in Vergessenheit. Nichts passiert, jedenfalls bis vor Kurzem. Am 31. August dieses Jahres erhalten Backer von Confederate Express eine E-Mail. Völlig ansatzlos, als sei nie etwas Verdächtiges geschehen, stellt Kilobite eine „frühe Version“ in Aussicht (eines Spiels, das vor drei Jahren hätte erscheinen sollen), mit zwei Gegnertypen, drei Leveln und den Kernsystemen.

Eine Woche später erhalten Unterstützer eine „persönliche Nachricht„. Die Brüder geben sich reumütig. „Wir haben viele Fehler gemacht, und nicht mit euch zu kommunizieren, das war der größte“, schreiben sie. „Was für eine miese Nummer! Was dachten wir uns nur?“

Sie beteuern, dass sie all die Zeit am Spiel saßen, „konstant hinzulernten und sich während des Prozesses verbesserten“. In den Kommentaren sagen sie: „Das Budget von Confederate Express überschritt die 40.000 Dollar vor Ewigkeiten. Wir liefern ein vollwertiges Produkt mit unserem eigenen Verdienst und bitten nicht um weiteres Geld zur Fertigstellung. Wir möchten nur, dass man uns verzeiht“.

Ich wage die Behauptung, dass das einem Großteil der 2400 Backer schwerfallen dürfte. Die für Windows und Mac verfügbare Demo findet ihr bei Itch.io. Schauen wir mal, wohin die Sache in den nächsten Wochen noch führt.

Comments

Kommentiere diese Geschichte

You must be registered and logged in to post a comment.