Bevontule ist ein süßer Mischling aus West- und J-RPG

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Bevontule [offizielle Seite] ist eine putzige Entdeckung vom Format eines Party-Rollenspiels. “Party“ im Sinne einer durch die Lande ziehenden, monstertrampelnden Schlägertruppe, nicht “trinken und schreien, bis alle umkippen“. Wobei man nie wissen kann, ob das nicht in genau diesem Spiel irgendwo in Kombination mit Monstern funktionieren könnte. Entwickler Multithreaded Games hockt seit Mai 2015 an dem Projekt. Ihr Ansatz möchte die Erkundung einer westlich anmutenden Fantasy-Landschaft mit dem Rundenkampf und anderen Gepflogenheiten eines J-RPGs unter einen Hut bringen.

All die Hügel und Bäume! Gemäßigt-erdige Farbtöne statt Bonbonzucker! Bieder! Hätte Bethesda zwei Jahre nach Morrowind ein weniger exotisch gestaltetes Rollenspiel veröffentlicht und sich die richtige Ecke ausgesucht, es hätte vielleicht so ähnlich ausgesehen. Dann wiederum die östlichen Einflüsse. Wie in einem Super-Nintendo-J-RPG der Marke Lufia 2 oder Final Fantasy 6 sind die Begleiter während des Erkundens nicht immer sichtbar und kommen nur zum Gerumpel mit wandelnden Fisch- und Pilzmonstern zum Vorschein. Die Up-Tempo-Kampfmusik, die lineare Verschachtelung klinischer Menüs, die automatisierten Level-ups. Als halbwegs regelmäßiger J-RPG-Tourist erkennt man hier so einiges.

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Die spielbare Pre-Alpha-Version geht sofort in medias res. Nach einem wenig aufschlussreichen Einleitungsgespräch mit den gleich wieder in der Manteltasche verschwindenden Begleitern beordert euch das Spiel zu einer Brücke und führt damit seiner Bauweise zugehörige, spielerisch definierte Grenzen ein. Springen, schwimmen, im Zickzack an angeschrägten Felswänden hochhüppeln oder sich anderweitig einen Weg suchen – alles nicht drin.

Überhaupt erinnern Bedienung und Navigation durch die Welt eher an MMOs, nicht nur wegen der felskantigen Grenzen, wo die Entwickler welche haben möchten. Klickt gleichzeitig die linke und rechte Maustaste und ihr bewegt euch ohne Tastatur-Input durch die Gegend, nur unterbrochen vom gelegentlichen Farbtupfer gelber Blumen. So plündert man verlassene Lager, sammelt Disteln und Eisen, stolpert in Rieseninsekten und anderes Gesocks entlang des Weges. Für den Kampf wechselt das Spiel mit einem Verwischeffekt in einen abgetrennten Bildschirm. Rundenweise lasst ihr normale Attacken und Fähigkeiten vom Stapel, etwa Wurfdolche, Brandbomben, Heilzauber.

Bewegungen erfolgen nicht rasterbasiert, sondern in einem Wirkkreis, in dem jede Figur pro Zug freien Auslauf genießt, vor oder nach ihrem Angriff, Item oder Spezialmanöver. Der Gegnerabstand spielt eine wichtige Rolle bei der Angriffsplanung, dabei, ob ein normaler Schwertstreich überhaupt möglich ist oder man zu weit entfernt steht. Daraus entsteht eine auf den ersten Blick angenehme Ungebundenheit beim Herumlaufen und Probieren, aus welcher Position welche Aktionen glücken.

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Ich habe bisher nur eine Stunde im Kampf gegen kleinere Gegnergruppen verbracht und bin gespannt auf die taktischen Möglich- und Notwendigkeiten, je weiter die Gegner ihren Kinderschuhen entwachsen. Zumindest die menschlichen Feinde scheinen nicht nachlässig. Sie suchen nach Lücken in der Formation, um mehrere Kämpfer gleichzeitig zu erwischen.

Auf dem Weg entdecke ich ein Gitter mit Truhen dahinter, jedoch ohne eine Möglichkeit, es zu öffnen. Cool. Man kann sich keinen zehbreit um ein Levelobjekt herummogeln und ich nehme an, dass Gitter und ich uns später wiedersehen werden. Also Backtracking und eine Menge Spinnen und Kisten auf Hügeln mit Geld und Heiltränken, vielleicht besseren Rüstungen und Waffen und all dem Zeug, das man gebrauchen kann. Es fehlt noch einiges, zum Beispiel das Bestiarium oder die Menüs für Skills und Kampfformationen.

Auch worum es hier geht, ist fraglich. Die wenigen NPCs in Lagerstätten sind sehr einfach gestrickt. Alle wollen sie immer nur sieben Pflanzen oder Eisenbarren.

Derweil könnt ihr die Entwicklung auf der offiziellen Seite verfolgen. Warum das Ding Bevontule heißt? Keine Ahnung, meinen die Entwickler. “Wir können nur mit Sicherheit sagen, dass es Bay-Von-Chu-Lay betont wird.“

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