Steampunk-Dungeon-Crawler Vaporum: Als hätte Legend of Grimrock zu viele Audiologs gefuttert

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Hier ein schneller Wochenendtipp, falls ihr eure Wochenenden gern mit Dungeon-Crawlern zubringt. Und zwar den klassischen, rasterbasierten in der Ego-Perspektive wie Dungeon Master oder Eye of the Beholder, mit Goblins, Drachen, Schätzen, all dem guten Zeug. Vaporum [offizielle Seite] ist so einer, mit Schätzen und gutem Zeug auch, nur eben ohne Goblins und Drachen. Trotzdem hatte ich vergangene Nacht zwei vergnügliche Stunden mit dem Spiel. Stellt euch seine Erscheinung im Groben vor, als hätte Legend of Grimrock eine Dwemer-Ruine aus Morrowind geschluckt und mit einem Schuss Dreckwasser aus Rapture nachgespült.

Viele Rohre, zischend entweichender Dampf und Apparaturen im Inneren eines Turms mitten im Meer, dem Hauptschauplatz, dazu mechanische Spinnen und fliegende Drohnen als Gegner. Warum das maschinelle Gesocks und euer Charakter (nur einer, keine Party) hier sind, erschließt sich durch die Lektüre von Briefen und Audiologs. Meine wenigen Funde bisher deuten an, dass der Turm eine Forschungseinrichtung für eine fremde Substanz namens ‘Fumium’ ist (gleichzeitig die Erfahrungspunkte fürs Besiegen von Feinden). Ein stramm entgegenschlagender Bioshock-Wind, nicht nur wenn die Tonbänder persönliche Schicksale der Bewohner anschneiden. Es geht um irgendwas Lauerndes, Unbestimmtes tief unten, ein einfach aufzubauendes Mysterium, und warum nicht? Bestimmt ist da am Ende auch die Erlösung, nach strapaziösen Stunden den Kopf aus dem Gully in den Sonnenaufgang zu strecken.

Bis dahin erkundet man im 90-Grad-Verlauf arrangierte Gänge, freut sich über eine Automap (oder nicht, je nachdem) und klopft die Umgebung auf Sackgassen und Beutetruhen ab, wie das in Dungeon-Crawlern so läuft. Rätsel, und oh, Rätsel. Nur echt mit Bodenplatten, daran gekoppelten Türöffnern, Fallen, Schlüsselsuche. Mit Kistenschieben einen Abgrund begehbar machen, Steine auf Druckplatten werfen, Feuerbällen im richtigen Bewegungsrhythmus durch die Gänge ausweichen. Schon auf der zweiten Ebene kann man vorschnell stecken bleiben, übersieht man ausgerechnet den Schrank mit dem Goldschlüssel darin. Vaporum ist in Sachen Problemlösung so klassisch-rückständig, wie es nur wird.

Zu Beginn wählt man einen von drei verfügbaren Exo-Rigs (offensiv, defensiv, technisch) und sollte das mit Bedacht tun. Die Entscheidung ist endgültig und nimmt eure Charakterausrichtung ein Stück weit vorweg. Mit gefundener Ausrüstung entscheidet man, ob man den Charakter voll und ganz in eine Rolle einpassen möchte (etwa nur robuste Rüstungsteile für maximale Panzerung) oder ihn mit einer Mischung breiter aufstellt. Dann heißt es Kloppen, Schießen, Kloppen, Schwert links, Pistole rechts. Ein bisschen Raster-Hopping im Kampf gegen zähe Kaliber, stets auf der Suche zerstörbaren Kisten mit Nischen und Beutetruhen dahinter.

Ein charmantes, sich seiner Richtung bewusstes, auf die gute Art rückständiges Spiel für die Jahreszeit mit den langen Nächten. Nicht überraschend oder großartig inspirierend, aber das muss es ja nicht immer sein. Bislang unterhält es mich blendend.

Vaporum ist seit gestern bei Steam zum Preis von 19,99 Euro erhältlich (derzeit mit Launch-Rabatt für 17,99 Euro).

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