Bericht beleuchtet, wie Telltale durch zu hohe Arbeitslast und veraltete Technik an die Grenzen stieß

Telltale

Vergangene Woche entließ Telltale 90 seiner Angestellten und kürzte damit die Belegschaft um ein Viertel ein. Zu Hochzeiten beherbergte das kalifornische Studio um die 400 Mitarbeiter. Seit dem fünf Jahre zurückliegenden Erfolg der eröffnenden Walking-Dead-Staffel produziert es am laufenden Band Adventure-Episoden diverser Marken, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, mit veralteter Technik und unter massivem Zeitdruck. Dieses Bild zeichnet ein Bericht bei US Gamer, gestützt von Leuten, die es miterlebt haben.

Habt ihr gezählt, wie viele Reihen, wie viele ‘Telltale Series’ das Unternehmen seit dem Erfolg von The Walking Dead mit seinem bekannten Adventure-Gerüst bepackt und begonnen hat? Es sind sieben Reihen – Walking Dead, Wolf Among Us, Tales from the Borderlands, Game of Thrones, Minecraft, Batman, Guardians of the Galaxy – in insgesamt zwölf Staffeln und… puh, 50 oder 60 Episoden?

Auf jeden Fall ein Haufen verschiedener Veröffentlichungen und besonders in den Jahren 2013 bis 2017 so viel, dass Zeitdruck ein ständiger Feind von Telltale war, umreißt der Bericht. Mehrere der Befragten erinnern sich an einen Zettel mit einem Spruch darauf. Er hing eine Zeitlang an der Tür eines Creative-Directors und auf ihm stand etwa der Wortlaut: “Es geht nicht darum, wie viel Zeit man braucht, um ein gutes Spiel zu entwickeln. Es geht darum, wie gut man das Spiel in der verfügbaren Zeit machen kann”.

Allein von Anfang 2013 bis Ende 2015 lieferte das Studio fünf Staffeln fünf verschiedener Reihen aus, Poker Night 2 außen vorgelassen. Die Arbeit an bestehenden Marken war einigen Quellen zufolge ebenfalls schwierig und mit so manch erforderlicher Neufassung verbunden, die das Team mitunter in letzter Minute einfädeln musste. Einige solcher Änderungswünsche kamen von Leuten in leitenden Positionen. Viele von ihnen erwischte die Entlassungswelle.

Im Laufe der Zeit geriet das Unternehmen immer stärker in die Kritik für veraltete Technik mit Performance-Problemen und über die Jahre nie geschlossenen Baustellen. Das sogenannte ‘Telltale Tool’ ist nicht die modernste Entwicklungsumgebung, wie es aussieht. Die intern programmierte Engine wurde das erste Mal 2005 benutzt und seitdem bei jeder Telltale-Produktion. Einer der Punkte, den das Studio bei der bevorstehenden Restrukturierung zu verbessern bestrebt ist. Von “besser bewährten Technologien, die Innovationen bei den Kernproduktionen beschleunigen” ist da die Rede.

Der vor zwei Monaten zum neuen CEO berufene Pete Hawley, ehemals Zynga-Geschäftsleiter, sei für einige der Befragten der nächste Schritt einer dringend nötigen Kurskorrektur.

Wir werden sehen, wie es mit unseren Geschichtenerzählern und Episodenfreunden weitergeht. Derzeit sind Batman: The Enemy Within und Minecraft: Story Mode – Staffel 2 angebrochen. Für 2018 ist außerdem die zweite Staffel The Wolf Among Us und der Abschluss von The Walking Dead geplant. Vielleicht erleben wir damit ja schon die ersten Erzeugnisse eines erneuerten, erfrischten Telltale.

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