Freddy Fazbear’s Pizzeria Simulator ist kostenlos und nicht das, wonach es aussieht

Oh, Scott Cawthon, du raffinierter Kerl. Gestern berichteten wir, dass der Designer von Five Nights at Freddy’s an einem Spin-off arbeitet – einem Pizzeria-Tycoon-Spiel. Die Ankündigung erfolgte in Begleitung eines einzelnen Screenshots aus einem FNaF-8-Bit-Arcade-Spiel. Dieses ist inzwischen bei Steam erhältlich und kostenlos spielbar. Außerdem ist es nicht, wonach es aussieht. Wer sich die Überraschung ruinieren möchte, darf gern weiterlesen.

Freddy Fazbear’s Pizzeria Simulator beginnt als Arcade-Spiel, in dem man Pizzen bäckt und sie dämlich aussehenden, grinsenden Kunden in die Münder wirft. Es ist furchtbar, zumindest bis es in einer Art und Weise kaputt geht, die nahelegt, dass es in dem Automaten spukt. Aber es bleibt keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen – ihr müsst eine Pizzeria leiten.

Cawthon machte keine Witze. Das hier ist ein Spiel über Restaurantverwaltung. Ihr kauft Möbelstücke, Animatronik, Beleuchtung und Spiele für die Kids. Ihr könnt sogar Sponsorenverträge abschließen, um mehr Geld zur Verschönerung des Ladens zu bekommen. Je mehr ihr investiert, desto glücklicher sind eure Kunden. Ihr könnt das Geschäft aufrüsten, neue Kataloge mit fortschrittlicheren Gegenständen freischalten, und gelegentlich müsst ihr euch um Gerichtsverfahren kümmern.

Doch Freddy Fazbear’s Pizzeria Simulator ist auch unleugbar ein echtes FNaF-Spiel. Habt ihr das Restaurant genügend ausgestattet, müsst ihr in euer hässliches Managerzimmer klettern – einen düsteren, schmuddeligen Ort voller fürchterlicher Kritzeleien von bösen Kindern – und dort am PC arbeiten. Ihr müsst Speisekarten drucken, Vorräte ordern und euch um Wartungspläne kümmern. Großteils drückt ihr nur Tasten und wartet auf den automatischen Abschluss der Aufgabe. Unglücklicherweise erregen die Betriebsgeräusche des PCs und des lauten Lüftungssystems die ungewollte Aufmerksamkeit von etwas, das durch die Schächte krabbelt. Animatronik-Albträume.

Dieser Teil eurer Schicht gerät zu einem heiklen Balanceakt. Ihr müsst eure Aufgaben abschließen, aber auch die Lautstärke in den Griff bekommen, indem ihr den PC und das Lüftungssystem abschaltet. Außerdem müsst ihr ein Auge auf die Entlüftungsschächte halten. Eure Taschenlampe hineinzuhalten bedeutet, dass nichts rauskommt, um euch zu töten. Als Hilfe habt ihr einen Bewegungsmelder und eine Tonanlage, mit der ihr Musik in anderen Räumen anschalten könnt, was Freddy und seine Freunde von euch weglockt.

Eure erste Schicht verläuft ereignislos. Die Animatronik-Monster gelangen nur dann in die Pizzeria, wenn ihr sie lasst. Jemand hat alte, kaputte Exemplare in der Gasse hinter dem Restaurant zurückgelassen, ohne sich einen Dreck um Recycling zu scheren. Ihr könnt sie zum Ausschlachten nach drinnen befördern, doch es könnte cleverer sein, sie einfach wegzuwerfen, da viele dieser Roboter voller Bösartigkeit stecken. Als Tests spielt ihr ihnen Aufnahmen vor, beobachtet die Reaktionen – falls es welche gibt – und vermerkt das anschließend auf einem Blatt. Bewegen sie sich, könnt ihr sie mit einem Elektroschocker gefügig machen.

Mein erstes Verhör verlief nicht ganz planmäßig. Das diesige Licht und der abgenutzte Zustand der animatronischen Puppen erfüllten den Raum mit einem geradezu greifbaren Gefühl des Grauens. Und wenige Dinge sind furchterregender als die Anweisung, auf etwas zu starren, das euch jederzeit ins Gesicht springen könnte, bevor es euch die Haut vom Knochen nagt. Der hinterlistigste Trick des Spiels besteht allerdings darin, euren Blick zwingend abwenden zu müssen, wenn ihr eine Reaktion (oder dessen Ausbleiben) auf einem Blatt Papier notiert. So unangenehm es auch ist, den Monstern direkt in ihre trüben Augen zu starren: Es ist noch viel schlimmer, sie nicht sehen zu können. Auch als die erwartete Reaktion meines Gegenübers nach dem dritten Audiohinweis ausblieb, wendete ich meinen Blick nur widerwillig ab. Nur ein Stück dünnes Papier zwischen mir und dem Unheil auf der anderen Seite. Als ich wieder vom Zettel aufsah, sprang mir der wahnsinnige Roboter schreiend ins Gesicht. Ich überlebte, aber er entkam. Schweißüberströmt trat ich meine zweite Schicht an.

Freddy Fazebear’s Pizzeria Simulator ist nicht nur ein cleverer Marketing-Schachzug, sondern auch eine verflucht angsteinflößende Erfahrung – ehrlich gesagt sind meine Handflächen immer noch ein wenig feucht. Ganz offensichtlich bin ich für die intensive Welt des Pizzeria-Managements nicht geschaffen. Der Grund, diesen Ritt kostenlos anzubieten, offenbart sich allerdings erst nach dem Spielen. Diese Entscheidung hat wenig mit der Qualität oder dem Umfang zu tun (wobei es sich um ein kurzes Spiel handelt), erlaubt es Cawthon jedoch, den Spielern eine Nase zu drehen. Mit einem Preisschild wäre zwangsläufig auch ein entscheidender Hinweis erfolgt, der die Überraschung verdorben hätte, um dem Vorwurf der irreführenden Werbung zuvorzukommen.

Freddy Fazbear’s Pizzeria Simulator ist ab sofort bei Steam erhältlich und kostet euch – wie eine Lebensmittelvergiftung – keinen Cent.

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