Und jetzt heißt es: Star Citizen gegen Crytek

Es wären nicht die Jahre 2012 bis 2018 (und wer weiß, wie viel länger noch) ohne eine Kontroverse um Star Citizen. Chris Roberts‘ schwarmfinanziertes Mach-alles-im-All-Spiel war schon einmal Thema weitreichender Untersuchungen mit Blick darauf, wofür ein halbes Jahrzehnt an Entwicklungszeit und 173 Millionen Dollar draufgingen. Nun werden die zuständigen Studios Cloud Imperium Games und Roberts Space Industries von den Crysis- und Cry-Engine-Entwicklern Crytek verklagt.

Bis zum vergangenen Jahr verlief Star Citizens Entwicklung auf Grundlage der Cry-Engine, doch nun argumentiert Crytek, dass ein Vertragsbruch und eine Urheberrechtsverletzung stattgefunden hätten. Man verfolgt einen gerichtlichen Beschluss, der im Erfolgsfall nichts Gutes bedeuten würde für das Release-Datum, auf das wir so lange warten.

Crytek, die ihre Cry-Engine auch an andere Entwickler verhökern, sind der Auffassung, Star Citizens Aufteilung in zwei separat verkaufte Titel (der andere ist das Singleplayer-Kampagnenmodul Squadron 42) stelle eine Verletzung der ursprünglichen Einzelspiellizenz dar. Soll heißen, dass Cloud Imperium zwei Spiele entwickelt und nur für die Engine-Rechte an einem Spiel bezahlt hat.

Cloud Imperium Games und RSI führen ihrerseits an, dass sie die Cry-Engine im vergangenen Dezember fallen ließen und stattdessen auf Amazons Lumberyard-Engine umsattelten. „Das ist ein nutzloser Prozess, gegen den wir energisch angehen“, sagte CIG in einem Statement gegenüber Gamasutra, „einschließlich Einforderung aller dabei entstehenden Kosten von Crytek“.

Allerdings ist der Engine-Wechsel selbst auch Teil von Cryteks Strafantrag, bis zu dem Punkt, an dem Vereinbarungen zur Nutzung von Cry-Engine-Logos in Star-Citizen-Werbematerial verletzt worden seien.

Weiterhin behauptet Crytek, Codezeilen in Star-Citizen-Entwicklervideos gesehen zu haben, die nahelegen, das Spiel verwende immer noch die Cry-Engine. Die Lage gerät nicht übersichtlicher angesichts der Tatsache, dass Lumberyard selbst auf der Cry-Engine basiert. Crytek zufolge hätten die Entwickler nicht vollständig offengelegt, welche Modifizierungen sie während der Produktion an der Cry-Engine vornahmen, was ebenfalls im ursprünglichen Vertrag stand.

Im Wesentlichen: uff. Abgesehen von den entstandenen Schäden, von denen sich lediglich ein Teil auf 75.000 Dollar belaufe, verfolgt Crytek ein Unterlassungsurteil, das jegliche weitere Nutzung ihres Codes verbieten würde. Sollte sich herausstellen, dass Star Citizen oder Squadron 42 nach wie vor Teile der Cry-Engine benutzen (natürlich könnte auch das Gegenteil der Fall sein), können wir von einer mühevollen Umarbeitung ausgehen, die den bereits epischen Entwicklungsprozess noch weiter in die Länge zieht.

Es dürfte langwierig, chaotisch und kostspielig verlaufen. Die komplette, in Kalifornien eingereichte Anklage könnt ihr bei Interesse hier nachlesen.

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