Storyseeker ist ein kostenloses und faszinierendes Erkundungsspiel

Spiele haben die Angewohnheit, den Platz des Spielers genau auf ihr Zentrum zu verlagern. Ihre Welten und Charaktere drehen sich um euch. Ihr seid der Auserwählte, als Einziger fähig, die Lage in den Griff zu bekommen. Vielleicht habt ihr außergewöhnliche Fertigkeiten und seid von legendärer Persönlichkeit – oder zumindest auf dem Weg dorthin. Das ist nicht zwangsläufig ein Hindernis beim Erzählen einer großartigen Geschichte und ein wesentlicher Bestandteil der Machtfantasie, der sich viele Spiele annähern. Und dennoch, kommt etwas des Weges und untergräbt diese Muster, hat es meine Aufmerksamkeit.

Storyseeker ist ein kurzes, kostenloses Erkundungsspiel, dessen Entwickler Miles Aijala eure gegebene Rolle “mehr als Historiker statt als Held“ beschreibt. Ich habe gerade eine halbe Stunde in seiner surrealen Welt voller Geister, Riesen und Wiesel verbracht und lege euch ans Herz, dasselbe zu tun.

Je mehr ich verrate, desto weniger habt ihr selbst zu entdecken – was irgendwie den Grundgedanken eines “minimalistischen, von eurer Neugier angetriebenen Erzählexperiments“ außer Kraft setzt, um nochmals Miles‘ Worte zu bemühen. Falls ihr also bereits an Bord seid, solltet ihr den Rest dieses Beitrags über- und direkt ins Spiel springen.

Braucht ihr mehr Überzeugungsarbeit, erzähle ich euch von ein paar Dingen aus den ersten fünf Minuten. Ihr könnt frei in jede beliebige Richtung wandern, also schlug ich den Weg nach Westen ein, stetig in Richtung einer sonderbaren, psychedelischen Landschaft. Der Boden war versetzt mit wabernden Farben, und wann immer meine Füße sie berührten, driftete die Musik ins Disharmonische ab. Ich begann, albtraumhafte Figuren zu erkennen, die sich aus diesem Chaos herauswühlen wollten.

Ich stolperte in eine verfallene Industriestadt, bevölkert von Geistern und offenbar unter Belagerung wolkenartiger Schlangen. Ein Hinweis auf dem Boden warnte mich vor Geistern, während ein anderer in der Nähe sagte, ich solle freundlich mit ihnen umgehen. Diese Welt ist gefüllt mit solchen Gegenüberstellungen: Eine Person kann ein futuristisches Ding in der Hand halten, während ein altmodisches Indianerzelt mitsamt Lagerfeuer nur wenige Meter entfernt steht. Derlei Erscheinungen zeichnen ein Bild voller Leid, Unheil und Schrecken, während die riesige Schildkröte vom obigen Aufmacherbild fröhlich herumschwimmt, natürlich mit Zylinder auf dem Kopf.

Es gibt so etwas wie ein Ziel, solltet ihr euch dazu entschließen, ihm zu folgen. In der Landschaft stehen glühende Statuen, die ätherisch summend nach euch rufen. Sie sprechen mit euch: Eine könnte etwas sagen zum Streben nach Licht, eine andere verlangen, dass ihr ihrem Nachbar “Hallo“ sagt.

Zum Schreiben dieses Beitrags hörte ich mehrfach mit dem Spielen auf, nur um hinter der nächsten Ecke erneut in Versuchung zu geraten. Ich konnte nicht widerstehen, dem Pfad in Richtung des Tempels zu folgen oder eine Stadt zu erkunden, die errichtet ist auf… eigentlich habe ich schon zu viel verraten. Wann immer ihr mögt, könnt ihr mit der Escape-Taste euer Zelt aufschlagen, zur Ruhe kommen und das Spiel beenden. Der finale Bildschirm (zumindest der, den ich hatte) zeigt eine Karte davon, wie die Welt zusammenhängend aussieht, und deckt alle Orte auf, die ihr verpasst habt. Es gibt noch kleine und große Geheimnisse zu lüften und ich kann es kaum erwarten, heute Abend zu ihnen zurückzukehren.

Noch etwas: Auf Miles‘ Tumblr-Seite fragte jemand nach Tipps, wie man eine solch farbenfrohe und faszinierende Welt wie die von Storyseeker gestaltet. Hier sein Rat, sowohl nützlich als auch ein cooler Einblick darin, wie das Spiel entstanden ist.

“Der beste Trick besteht darin, fortwährend Fragen zu stellen. Ein Großteil des Weltenbildes in Storyseeker entstand aus zunehmend komplexeren Erklärungen für eine einzige Szene. Zum Beispiel: Cool, diese Oase hier sieht aus wie eine riesige lebende Statue. Woher kommt sie? Wer hat sie errichtet? Wohin sind diese Leute gegangen und wieso sind sie gefallen? Was, wenn jemand eine Stadt auf diesem Stück bauen würde? Wieso dort? Und so weiter.“

Storyseeker ist kostenlos bei Itch zu finden.

Danke an Paolo Pedercini fürs Finden.

Comments

Kommentiere diese Geschichte

You must be registered and logged in to post a comment.