Meanwhile: An Interactive Comic Book ist eine Zeitreisegeschichte um Eiscreme und den Weltuntergang

Für Zeitreiseblödsinn habe ich eine Schwäche, was in dem Fall gelegen kommt, da Meanwhile: An Interactive Comic Book von Jason Shiga voll davon ist. Ursprünglich 2010 in traditioneller Papierform und 2012 für iOS erschienen, landete es vergangene Woche auf dem PC. Es ist ein interaktives Spielbuch im Choose-Your-Own-Adventure-Stil über einen Jungen und einen Wissenschaftler, der nicht eine, sondern drei hirnverbrannte Erfindungen auf dem Kerbholz hat. Verschachtelten Zeitreisegeschichten zu folgen, das kann an sich schon knifflig sein. Und an einem Punkt in Meanwhile reist ihr in der Zeit und den Erinnerungen einer anderen Person zurück, um eine Weltvernichtungsmaschine zu deaktivieren (glaube ich).

Das Spiel beginnt mit der einfachen Entscheidung zwischen Vanille- und Schokoladen-Eiscreme, aber nach dem Auffinden der Zeitmaschine geraten die Geschehnisse… komplizierter. Der Plot nimmt selbst auf sich Bezug, während man versucht, die verfügbaren Handlungsoptionen auszuloten, wobei einige davon nur Sinn ergeben, nachdem ihr andere gesehen habt. Es ist fast genauso sehr ein Puzzle, wie es eine Geschichte erzählt, weiter verkompliziert durch Codes zum Freischalten aller Fähigkeiten für besagte Zeitmaschine und einen Helm zum Erinnerungstausch.

Falls es hilft, gibt es eine Möglichkeit, sich all die Entscheidungen in einem Comic-Panel-Schaubild anzusehen. Doch nützlicher bzw. weniger Spoiler-behaftet ist ein Button, mit dem ihr zur letzten getroffenen Entscheidung zurückgelangt. Er ist ein unbezahlbares Werkzeug auf dem Weg durch die labyrinthische Comic-Struktur, ebenso wie der Menübildschirm, mit dem ihr von bereits freigeschalteten Punkten aus starten dürft.

Ein Dämpfer dagegen sind die Kosten. Bei einem Thema wie Preis-Leistungs-Verhältnis bin ich vorsichtig, besonders bei etwas Neuartigem wie hier, aber zehn Euro wirken ein wenig happig für etwas, das man in schätzungsweise 45 Minuten beendet hat. Jeden möglichen Weg zu erkunden, das wird bereits wiederholungsanfällig. Daher fülle ich diese Lücken vermutlich eher mithilfe der Ansicht, die euch durch den Comic scrollen lässt, statt sämtliche Entscheidung nachzuspielen. Dann wiederum: Seid ihr es gewohnt, aberwitzige Summen für normale Comics zu berappen, könnte eure Erwartungshaltung abweichen.

Auch der DLC klingt interessant. Er heißt “Case of the Missing Science Project“ und kommt in Form einer PDF-Datei, die ihr ausdruckt und selbst zusammenfaltet. Darin “folgt ihr Little Jimmy, Kid Detective, bei seinen Bemühungen, den Fall aufzulösen“. “Es könnten Dinosaurier auftauchen“, fügt Entwickler Andrew Plotkin in seinem Blog hinzu. Warum das echte Papier, fragt ihr? Also:

“Eine Antwort ist, dass Missing Science Project eine Last-Minute-Beigabe war und ich nicht die Zeit für eine Unity-Version hatte. Das stimmt, ist allerdings langweilig.“

“Die interessantere (und trotzdem wahre) Antwort ist, dass Missing Science Project eine eigene Mechanik verfolgbarer Pfade hat. Mehr zu verraten käme einem Spoiler gleich, aber es ist eine einzigartige Idee, die nur zusammen mit Papierseiten Sinn ergibt.“

Meanwhile: An Interactive Comic Book ist für Windows, Mac und Linux bei Steam und Itch erhältlich – den DLC gibt es hingegen nur bei Steam.

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