Unternehmen wir einen farbenfrohen Unterwasserspaziergang in Beyond R’proach

Einer meiner Lieblingseffekte in First-Person-Videospielen sind virtuelle Hände, die nach Objekten in der Welt greifen. Sehr anschaulich zur Geltung kommt dies in Beyond R’proach, einem kleinen, neuen Walking-Simulator, in dem wir durch dichte Unterwasserpflanzenfelder stromern und die Flora beim Laufen zur Seite drücken. Es ist kurz, es ist fabenfroh, es stimmt ein nettes Lied auf dem Weg an, wir berühren eine Menge Pflanzen, und das ist alles schön. Dann kommt mein liebstes magisches Videospielelement zum Vorschein: der alte “Hall of Mirrors“-Glitch, der mich mehr unterhält als die meisten schicken Spezialeffekte.

Wir sind also unter Wasser, klar? Setzt euch in Bewegung und eure virtuellen Hände schieben automatisch die Pflanzen aus dem Weg, wenn wir nicht gerade die linke oder rechte Maustaste (oder beide) gedrückt halten, um uns die Augen zuzuhalten. Im weiteren Verlauf erscheinen Türen, die beim Hindurchlaufen die Farben ringsum ändern und der Musik Stück für Stück den Takt vorgeben. Es ist wohltuend! Schon an diesem Punkt traf ich die Entscheidung, über das Spiel zu posten, so angetan, wie ich von der Wanderei in einem Meer aus Farben bin.

Und dann! Irgendwann führen die Türen zu Welten, in denen der Himmel etwas ähnliches tut wie der liebreizende Hall-of-Mirrors-Effekt: Er wird durchzogen von den schmierähnlichen Spuren aller Objekte, die im Vordergrund vorüberziehen – Pflanzen, Hände und aufsteigende Blasen, die nun wie Buchstaben aussehen. Es ist ein Hauch von Magie, auch wenn es sich etwas deplatziert anfühlt – vielleicht ein wenig unheimlich? Ich erschrak mich in dem Glauben, dass sich irgendwas in diesem Glitch verstecken könnte. Eine Weile hob ich beide Hände, als wollte ich meine Augen verschließen, während die Farben zur Ruhe kamen.

Beyond R’Proach gibt es zum Zahl-was-du-willst-Tarif bei Itch. Entwickelt wurde es von Tak, ebenfalls verantwortlich für das Musikspiel Sunrose.

Nach wie vor bewundere ich Hall-of-Mirrors-Glitches. Sie sind aufregender und magischer als jede schicke Verkettung von Spezialeffekten und zeigen die mysteriöse Leere jenseits der Spielwelt. Sie veranschaulichen, wie künstlich Videospielwelten sind, stellen sie aber als etwas Besonders dar. Ja, nichts davon ist real. Ist es nicht großartig, dass die Welten, in denen wir uns verlieren, nur Computertrickserei sind? Klar, ich habe viel Noclip-Zeit in Quake-Leveln zugebracht.

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