In Pathologic 2 müsst ihr auf eure Gesundheit und eure Reputation achten – unter anderem

Ice-Pick Lodges Survival-Abenteuer Pathologic 2 blicke ich gleichsam mit Spannung und einer gewissen Furcht entgegen. Das Original war trotz aller technischen (und übersetzungsbedingten) Mängel ein Spiel mit üppigen Systemen, in dem man angehalten war, mit persönlichen Stats und Ressourcen zu jonglieren. Im aktuellsten Entwickler-Blog geht Ice-Pick Lodge auf einige interessante neue Systeme ein, mit denen ihr euch auseinandersetzen müsst.

Es leuchtet zunehmend ein, wieso Ice-Pick das ursprünglich als Remake konzipierte (und via Kickstarter finanzierte) Spiel zur vollwertigen Fortsetzung umarbeitete. Der aktuelle Bericht über ihren Entwicklungsfortschritt nimmt sich ein paar der mutigeren mechanischen Details vor, darunter ein kurzer Einblick in das neue Reputationssystem. Das Spiel hat kein ungeschicktes Karma-Meter, stattdessen herrscht in jedem Stadtteil eine eigene Meinung hinsichtlich eurer Spielfigur. Verärgert eine Gruppierung zu sehr und sie wendet sich schließlich gegen euch, weshalb eine Glättung der Wogen zu empfehlen ist, bevor die Sache eskaliert.

Feindseligkeiten müssen allerdings nicht immer in einem Blutbad enden. Bei der Problemlösung mit blanken Fäusten (das neue Nahkampfsystem wirkt ebenfalls gewichtig und befriedigend) könnt ihr euren Gegner hin und wieder zur Aufgabe zwingen. Ihr könnt ihn sogar nach Geld oder Items filzen, bevor ihr ihn laufen lasst. Schön zu sehen, dass nicht alle NPCs gewillt sind, für drei Münzen bis zum Tod zu kämpfen.

Eine weitere potenziell spielverändernde Mechanik betrifft das System zum Kräutersammeln und Tränkebrauen. Um die Seuche im Zaum zu halten (oder zur Herstellung von Dingen für den Verkauf an die Einwohner), lassen sich mithilfe bestimmter Pflanzen auf der Map beispielsweise Immunitätsverstärker herstellen. Derlei Kräuterkunde ist ebenfalls nötig, damit Haruspex – einer der drei spielbaren Charaktere – seine bizarre CSI-artige Wahrsagerei abzieht.

Obwohl Pathologic 2 gut voranzukommen scheint, war Ice-Pick stets ein bodenständiges Studio und unbekümmert beim Aufzeigen der Dinge, die während der Entwicklung schiefgingen – etwa an Treppen hängende NPCs oder Gegner mit Flammenwerfern, denen ihr Job etwas zu viel Spaß bereitete. Die komplette Galerie mit animierten GIFs ist auf jeden Fall einen Blick wert, und sei es nur, weil Glitches nun mal witzig sind.

Wer sich immer noch fragt, worum es in Pathologic eigentlich geht, kann sich die Classic-HD-Version anschauen (derzeit für 13 Euro bei GOG zu haben), wenn es ein bisschen mehr Unheil und Stress in eurem Leben sein darf. Ice-Pick hat das Original technisch etwas aufpoliert, doch die wichtigste Änderung ist eine von Grund auf erstellte Neuübersetzung. Das ist eine massive Verbesserung, nachdem große Teile des Originals wegen des unverständlich übersetzten Skripts nahezu unspielbar gerieten.

Es gab mal eine spielbare Demo für Pathologic 2 namens The Marble Nest, die leider von Steam verschwunden ist. Ice-Pick hielt die Version der Engine für dermaßen alt und unoptimiert, dass sie niemandem damit eine falsche Vorstellung verschaffen wollten. Dennoch haben wir hier einen interessanten Einblick in eine eigentümliche Welt, auf deren weitere Erkundung ich mich sehr freue. Bei Youtube stehen außerdem eine Menge kompletter Spieldurchgänge zum Anschauen bereit.

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