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Metro Exodus ist eine reizende Emanzipation vom Tunnel-Shooter, den wir gewohnt sind

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Metro Exodus ist ebenso Loslösung von den Gepflogenheiten der Shooter-Serie wie eine Angleichung an die Offenheit moderner Spielwelten. Im dritten Spiel geht es aus der klaustrophobischen Enge der Moskauer U-Bahn-Schächte in die weite, verstrahlte Welt der Metrokalypse. Dauerprotagonist Artjom macht sich mit seiner Frau Anna und einem hartgesottenen Haufen Spartan-Rangers auf zu einer Odyssee quer durch Russland. Wieso? Raus aus dem Dreckhaufen, der sich U-Bahn schimpft, wie wäre es damit? Und der Legende nach gibt es ein Paradies zu finden, einen Ort weit im Osten, ohne Monster, Mutanten und mysteriöse “Schwarze“.

Über Motivation und Ziel der Reise halten sich die Entwickler 4A Games noch bedeckt. Zu Fuß wäre die Tour natürlich nicht zu bewerkstelligen. Deshalb dient die Lokomotive “Aurora“ als mehr oder weniger zuverlässiges Fortbewegungsmittel und gleichzeitig mobiler Hub, in dem ihr soziale Kontakte knüpft, Ressourcen aufbewahrt und euch beim mitfahrenden Händler regelmäßig mit neuen Waffen und Werkzeugen eindeckt. Ein Jahr wird die Reise spielintern dauern und die Landschaften angleichen, vom atomaren Winter bis zum, nun ja, atomaren Sommer.

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Sommersonne, Herbstlaub oder Frühlingsgefühle, all das habe ich bei meiner Anspielmöglichkeit nicht zu sehen bekommen. Zwei Stunden verbrachte ich in einer Eiswüste am Wolga-Ufer, nachdem die Aurora an einer Streckenblockade einen Zwangshalt einlegen und Artjom sich um das Weiterkommen kümmern muss. Zeit genug, sich mit den neuen Gegebenheiten vertraut zu machen, die hier den Takt beherrschen: keine lineare Levelstruktur mehr. Die voneinander getrennten Umgebungen sind offen für Abstecher, wohin sie euch eben verschlagen. Ein bisschen die mutierte Tierwelt dezimieren, akribisch die Gegend nach knapper Munition und Bastelteilen zur Ausrüstungsverbesserung absuchen oder optionale Nebenaufgaben annehmen. Letztere sollen keine langweiligen Sammelaufgaben zur künstlichen Spielzeitverlängerung beinhalten, sondern spannende Geschichten innerhalb des Metro-Universums erzählen.

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Metro Exodus wird trotz aller Weitläufigkeit keine nahtlos offene Welt mit Bewegungsmöglichkeiten in alle Himmelsrichtungen ausrollen. Die einzelnen Areale sind von in sich geschlossener Sandbox-Struktur und eine Rückkehr in einen besuchten Bereich ist nicht möglich, sobald die Aurora den nächsten Haltepunkt erreicht hat. Immerhin scheint kein Zeitdruck vorzuherrschen, also lässt sich die Umgebung in aller Ruhe erkunden.

Und es dauert nicht lange, bis mir erste Monster und Mutanten das Leben schwer machen. Die Wolfsrudel konnte ich noch mit der Schusswaffe erlegen, aber schon kurz danach versandet der Run-and-Gun-Ansatz in den von Metro: Last Light eingeführten Stealth-Mechanismen, inzwischen von noch größerer Bedeutung. Endstation meiner Erkundung war ein Lagerhaus voller ekeliger Mutanten. Nach kurzer Zeit war die Munition verschossen, die Handvoll Molotow-Cocktails aufgebraucht und meine Nahkampffähigkeiten zeigten keine Wirkung gegen die Monster. An einen geordneten Rückzug zum Auffüllen der Vorräte war auch nicht zu denken, spätestens als der Filtervorrat für meine Gasmaske zu Neige ging. Tot in der eisigen Pampa, ha!

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Beim nächsten Versuch habe ich mir mehr Zeit gelassen und bin die Monster hinterrücks mit dem Messer angegangen – was viel besser klappte. Außerdem lohnt es sich, vor Konfrontationen die Gegend sorgfältig nach Teilen abzusuchen. Aufrüstarbeiten an selbstgefertigten Waffen sind mit allerlei Schrottteilen nun auch mitten im Feld möglich. Findet ihr passendes Zubehör, könnt ihr es an Ort und Stelle montieren, ohne erst eine Werkbank aufspüren zu müssen.

Abseits davon eine schöne Idee: Statt sich mit einer Übermacht menschlicher oder tierischer Gegner abzuplagen, könnt ihr auch gezielt die Moral der Widersacher brechen. Zum Beispiel bekommt Artjom den Auftrag, eine Befreiungsaktion in einem Gebäude voller schwer bewaffneter Kultisten durchzuführen. Metzelt ihr genügend Widersacher, verliert der Rest den Kampfwillen und ergibt sich.

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Das wirkt zwar recht seltsam, wenn ihr im Anschluss durch die Gegend lauft und alle Gegner gottergeben kniend darauf warten, ob ihr sie nun tötet, bewusstlos schlagt oder schlicht ignoriert. Aber mit Kampfhandlungen ist es dann vorbei und ihr könnt euer Karma-Konto füllen, indem ihr Gnade walten oder den inneren Schweinehund von der Rolle lasst. Das recht clevere KI-Verhalten gilt auch für tierische Angreifer, bis hin zu improvisiert wirkenden Reaktionen. Erlegt ihr beim Angriff eines Mutantenwolfrudels beispielsweise genügend der Tiere, zieht der Rest den Schwanz ein und verschwindet.

In den zwei Stunden konnte ich nicht alles genau unter die Lupe nehmen. Selbst für die Aufgaben des Haupthandlungsstrangs war die Zeit arg knapp bemessen, geschweige denn, dass ich die weitläufige Landschaft vernünftig nach Nebenmissionen und Geheimnissen hätte durchforsten können. Aber die Mischung aus linearen Zielvorgaben und der optionalen Erkundung der Sandbox hat mir auf Anhieb gefallen. Die weiterentwickelte “4A“-Engine des Studios liefert den passenden Rahmen für den Shooter und der Ausblick darauf, nicht nur trübe Eislandschaften und radioaktive Nebel zu Gesicht zu bekommen, weckt Vorfreude auf die Frühlings-, Sommer- und Herbstgebiete.

Metro Exodus erscheint am 22. Februar 2019.

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Ulrich Wimmeroth

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