AMDs neue Ryzen Threadripper CPUs sind wahre Rechenmonster

 

Im Rahmen eines CPU-Vergleichs auf der Computex 2018 kam AMD als Sieger hervor. Ihr monströser 32-Kern Prozessor der zweiten Ryzen-Generation mit dem bedeutungsschwangeren Namen Threadripper war nicht nur besser ausgestattet als Intels mysteriöser Hoffnungsträger mit seinen 28-Kernen, sondern war auch für echte PCs normaler Kunden bestimmt und nicht für Unternehmens-Server, die vermutlich von herzlosen Robotern gesteuert werden. Noch dazu spendierte man dem Rechenknecht die wahrscheinlich beste und zugleich lächerlichste Verpackungsgrafik, die je das Auge eines Gamers erreichte. Sogar noch krasser als die abgefahrene Packung der Verto GeForce FX 5200 Grafikkarte von PNY aus den späten 2000er Jahren .

 

 


Dieser 32-Kern Threadripper (man lasse sich den Namen auf der Zunge zergehen) ist jetzt endlich zur Vorbestellung verfügbar – und er ist so verdammt schnell, dass AMD verkündet, mit ihm den Weltrekord im Cinebench R15-Benchmark gebrochen zu haben, und zwar mit der höchsten Punktzahl für eine Single-Socket-Desktop-CPU.

Allerdings wurde nachträglich viel gefummelt, um diesen Rekord zu brechen. AMDs offizielles Overclocking Team nutzte flüssigen Stickstoff, um die Taktgeschwindigkeit des Threadripper 2990WX auf bis zu 5.1 GHz zu erhöhen. Unter diesen Bedingungen schaffte der 2990WX im Cinebench Multi-Core-Test eine gigantische Punktzahl von 7618 Zählern und übertraf damit den bisherigen Rekordhalter, Intels Core i9-7980XE, um fast 2000 Punkte. Diese Zahl wurde nicht einfach hinter verschlossenen Türen aus der Luft gegriffen, wie die Vorführung vor der Presse, Analysten und Geschäftspartnern letzten Monat beweist.

32-Core-CPUs sind natürlich nicht billig. Die angehängte Tabelle weiter unten zeigt, dass Interessierte satte 1799 USD für dieses Rechenmonster auf den Tisch legen müssen. Allerdings sei angemerkt, dass AMDs Threadripper Line-Up schon immer für sogenannte Content-Profis ausgelegt wurde, etwa für Video- und Filmexperten und Entwickler (und natürlich für die üblichen High-End-PC-Freaks, die gerade nicht wissen, wo sie mit ihrem Geld hin sollen). AMD erwartet also nicht, dass normale Leute wegen dieses Modells plötzlich in Scharen in PC-Shops rennen, statt die geldbeutelschonenden Ryzen 5 2600 / 2600X und Ryzen 7 2700 / 2700X CPUs zu nutzen.

Es ist nicht nur der 32-Kern 2990WX, der AMDs zweite Ryzen-Generation ausmacht, sondern auch drei weitere CPUs. Alle vier Threadripper Prozessoren wurden mit AMDs 12 Nanometer Zen + Architektur gefertigt. Zwei werden uns in diesem heißen August erreichen, während die anderen irgendwann im Oktober nachziehen. Sie sind alle mit bestehenden X399-Chipsatz-Motherboards samt TR4-Sockeln kompatibel. Bei Interesse an einem Ryzen Threadripper braucht ihr somit nicht zwingend ein neues Motherboard. Alles, was ihr tun müsst, ist ein kleines BIOS-Update aufspielen schon geht die Kiste ab wie Wasserfarb‘.

 

Modell Kerne Basis / Boost-Takt (GHz) L3 Cache (MB) Leistung (Watt) PCLe
Gen3
Lanes
Preis Erscheinungs-datum
Ryzen Threadripper 2990WX 32/64 3.0 / 4. 64 250W 64 1799 USD 13.08.18
Ryzen Threadripper 2970WX 24/48 3.0 / 4.2 64 250W 64 1299 USD Oktober
Ryzen Threadripper 2950X 16/32 3.5 / 4.4 32 180W 64 899 USD 31.08.18
Ryzen Threadripper 2920X 12/24 3.5 / 4.4 32 180W 64 649 USD Oktober

 

Dennoch zeigen AMDs eigene Leistungstabellen, dass der 2950X Threadripper – das Hauptaugenmerk für Enthusiasten – in der Gaming-Sparte tatsächlich 6% langsamer ist als Intels Gegenüber, der Core i9-7900X. Letzterer ist zugegebenermaßen 100 USD teurer als AMDs 899-Dollar-Prachtstück, aber im Laufe des Tests waren es immerhin elf Spiele, die bei 1080p Auflösung etwas langsamer liefen als mit dem Intel-Rivalen. Zugegeben, AMD gab nicht bekannt, welche Einstellungen oder welche Spiele verwendet wurden, aber wenn ihr nach einer erstklassigen CPU für euer Gaming-Rig sucht, könnten sich die zusätzlichen 100 Dollar für den Intel-Rechenknecht auszahlen.

 

Im Ausgleich dafür zieht der 2950X dem Core i9-7900X bei kreativen Anwendungen das Fell über die Ohren. So lag der Cinebench R15-Score beispielsweise um 41% höher. Im Handbrake-Benchmark zeigte er satte 18% Vorteil. Die WX-Serie geht noch weiter ins Extrem. Im Vergleich zu Intels 2000 Dollar verschlingendem Core i9-7980XE ist der 2990WX ganze 51% schneller im Cinebench, 47% schneller in POV-Ray, 35% schneller im Corona Render und 39% schneller in Blender. Das sind schlagende Argumente, wenn ihr solche Anwendungen regelmäßig verwendet. Die Frage ist nur, ob ihr wirklich so viel Geld für eine extravagante CPU ausgeben wollt, wenn es euch hauptsächlich ums Spielen geht.

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